Geilenkirchen Kreis Heinsberg NRW

Geschichtliches aus Geilenkirchen

Geilenkirchen geschichtliches Möglicherweise liest sich die abschnittweise Gliederung der Geschichte Geilenkirchens nicht gerade spannend. Ich versuche nun chronologisch zu ordnen, was ich schon 1998 für meine erste Seite zusammengetragen hatte. Geschichtliches von der ersten Siedlung an der Furt der Wurm, der Grenzziehung im Mittelalter, der Annexion durch Napoleon 1794, der Zeit während der beiden Weltkriege bis heute im 21. Jahrhundert
Furt der Wurm Geilenkirchen geschichtliches
Die heutige Stadt Geilenkirchen entstand am linken Ufer der Wurm bei einer schon in der Römerzeit benutzten Furt, als eine frühfränkische Ansiedlung an der ehemaligen Römerstraße Aachen - Roermond. Die Entdeckung eines fränkischen Gräberfeldes lässt auf das Bestehen einer Siedlung im 7. Jahrhundert schließen. Der Name der Stadt Geilenkirchen bezieht sich ursprünglich auf eine Holzkirche, die wohl ein Franke namens Geilo (od. Geylo) errichtet hatte. Aber jetzt der Reihe nach ...
Geilenkirchen Steinzeit "Der Kreis Heinsberg ist ein altes Siedlungsgebiet. Dies beweisen Bodenfunde aus den verschiedensten Epochen. Ob es nun steinzeitliche Werkzeuge mit einem Alter von bis zu 100.000 Jahren sind, oder der rund 7000 Jahre alte Holzbrunnen, der zu Beginn der 90-er Jahre bei Erkelenz-Kückhoven gefunden wurde." [Wikipedia]
Ich selbst habe einen steinzeitlichen Faustkeil in der Nähe Gangelts gefunden, der heute wohl in den Katakomben des ehemaligen Heimatmuseums Heinsberg verschollen ist.

500 v. Chr.

Geilenkirchen geschichtliches Die Kelten haben die Landschaften nördlich der Alpen, das Rheinland, die Eifel und auch das Gebiet an der Wurm besiedelt. Die Namensgebung "Wurm" stammt offenbar aus dem keltischen Sprachschatz. Ihre Kultur und ihre Handwerkskunst, die Techniken der Eisengewinnung und -verarbeitung waren hoch entwickelt. Sie trieben regen Handel und Funde von Gegenständen aus Bronze und Goldschmuck zeugen von Wohlstand. Religion und Kunst waren Bestandteil ihres Lebens. Der Untergang drohte später durch die Truppen Roms.

293

Geilenkirchen geschichtliches Nicht nur frühe Jäger in Bärenfellen oder das Volk der Kelten streiften durch unsere Wälder. Später waren die Römer in der Region heimisch und haben das Gebiet um Geilenkirchen erschlossen. Es wurde durch Römerstraßen, unter anderem durch die bedeutende Verbindung Heerlen - Xanten, durchkreuzt. Es entstand eine erste Ansiedlung zum Schutz der bedeutenden Furt an der Wurm. Während der römischen Epoche im 4. Jahrhundert wurde ein weitläufiges Wegenetz angelegt.
Römerstraßen Geilenkirchen
Eine zusätzliche Straße führte über Tüddern - Gangelt - Geilenkirchen - Puffendorf und Freialdenhoven nach Jülich. Im Mittelalter behielt diese Straße als Handelsstraße ihre Bedeutung. In etwa entspricht das dem ungefähren Streckenverlauf der heutigen B56 alt. Die Namensgebung des Ortes 'Straeten' bei Heinsberg ist abgeleitet von 'Strada' für 'Straße'. Funde bei Erdarbeiten lassen auf diese weitere Straße in Richtung Roermond schließen. In Straeten gibt es noch heute eine Straße mit der Bezeichnung 'Römerstraße'.

481

Geilenkirchen geschichtliches Das Frankenreich unter den Merowingern! Nach dem Ende der römischen Epoche im Rheinland wurde das Land unter der Herrschaft der Merowinger (das älteste Königsgeschlecht der Franken) neu aufgeteilt.

Das kleine Tal der Wurm bildete nun eine Grenze zwischen Maas und Rur, die das östliche Königreich der ripuarischen Franken von dem westlich gelegenen salischen Herzogtum Hasbanien trennte.

Das Reich der ripuarischen Franken, mit der Hauptstadt «Cöln», erstreckte sich zu beiden Seiten des Rheins bis an die Zuidersee und die Maas. Siehe Karte Frankenreich unter den Merowingern.

Franken in Geilenkirchen
Am Ende der Völkerwanderungszeit gelang es dem Merowinger-König Chlodwig I., die fränkischen Herrschaftsgebiete in einem Reich zu vereinen. Somit war er der Begründer des mächtigen und großen Frankenreiches. Er nahm die katholische Form des Christentums an. Die Reste des römischen Herrschaftsgebiets geraten 486 in die Hände der Franken. Die Karte zeigt die Ausdehnung des fränkischen Reiches während der Merowingerzeit nach den Eroberungen von 486 und 502. Der Sieg Chlodwigs über den letzten römischen Herrscher in Nordgallien (486) zerstörte den übrig gebliebenen weströmischen Machtbereich. Die Franken herrschten nun in Nordgallien. Bei späteren Teilungen fällt das Gebiet an das ostfränkische Reich (Deutschland).

600

Geilenkirchen geschichtliches Die »frühen Franken« siedelten nun an der Wurm. Aus dieser frühfränkischen Ansiedlung soll einmal Geilenkirchen entstehen. Die heutige Stadt entstand genau dort, am linken Ufer der Wurm bei einer schon in der Römerzeit benutzten Furt, an der ehemaligen Römerstraße Aachen - Roermond. Die Entdeckung eines fränkischen Gräberfeldes lässt auf das 7. Jahrhundert schließen. Irgendwann wird in der Nähe der Furt von einem Franken eine Holzkirche errichtet werden, auf die ich noch Bezug nehme.

794

Geilenkirchen geschichtliches Die Wurm als Grenzfluss: Die Grenzziehung der Merowinger wurde später von der Kirche übernommen. Das östlich gelegene Land gehörte zum Erzbistum Köln, während die Bewohner des Westufers der Wurm dem Bistum Lüttich unterstanden. Dieser Grenzlage verdankt das Wurmtal die Anlage der zahlreichen Burgen, hauptsächlich Wasserburgen, die später ihre militärische Funktion verloren und zum Teil in Schlösser umgewandelt wurden. Hiervon befinden sich mehrere in unmittelbarer Nähe der Stadt Geilenkirchen.

Haus Honsdorf

Geilenkirchen Haus Honsdorf

Burg Trips

Geilenkirchen Burg Trips Ölgemälde

Erste Erwähnung im Jahr 1170

1170

Geilenkirchen geschichtliches Im Mittelalter gab es in der Region kein homogenes Gebiet. Unterschiedlichste Adelshäuser beanspruchten Besitztümer im heutigen Rheinland und Maastal.
»Erwähnt wird Geilenkirchen erstmalig im Jahr 1170, als Stadt im Jahre 1386. Der Name Geilenkirchen bezieht sich ursprünglich auf eine Holzkirche, die wohl ein Franke namens Geilo errichtet hatte.«   [Retrobibliothek]
Geilenkirchen geschichtliches Die Ansiedlung an der Furt der Wurm war ab dem 12. Jahrhundert durch eine Wasserburg der Grafen von Heinsberg gesichert. Reste dieser Burg sind nach ihrer Zerstörung im Jahr 1945 heute in das Bischöfliche Gymnasium 'St. Ursula' integriert. (Erst viel später wurde nachweislich die erste Brücke durch Napoleon gebaut, als Geilenkirchen von 1794 bis 1814 im Département de la Roer, unter französischer Herrschaft war.)

1300

Geilenkirchen geschichtliches Die Siedlung 'Gelekirchen' um Burg und Kirche entwickelte sich im Hochmittelalter weiter, begünstigt durch den Handelsweg der bei uns das Flüsschen Wurm querte. Die Stadtwerdung erfolgte offenbar im späten 14. Jahrhundert. Allerdings fehlte eine förmliche Privilegierung. Das rechts der Wurm gelegene und von Geilenkirchen mitverwaltete Hünshoven, ist für Anfang des 13. Jahrhunderts bezeugt.

1603

Geilenkirchen geschichtliches 'Gelekirchen' wurde 1603 zunächst vom Prinz Moritz von Oranien eingenommen und dann später von den Franzosen erobert und geplündert. 1642 wurde Geilenkirchen von dem weimarschen General Major Rosa zurückerobert und besetzt. Ab 1798 gehörte das Gebiet des heutigen Kreises zu den Herzogtümern Jülich, Geldern und Limburg sowie zu der Reichsherrschaft Wickrath.

1794

Geilenkirchen geschichtliches Nachdem Napoleon (1794 - 1814) auch das Gebiet des Kreises annektierte, wurden gemäß der üblichen Verwaltungsgliederung der Franzosen Gebietskörperschaften als Departements und Kantone gebildet. Von 1794 bis 1814 stand Geilenkirchen unter französischer Herrschaft im Département de la Roer mit 40 Kantonen. Eine französische Kaserne befand sich auf der Höhe bei Hünshoven, Nähe Loherhof, sagte man mir.
Auf dem von ihnen seit 1794 eroberten linksrheinischen Territorium richteten die Franzosen im Jahr 1798 in dem Landstrich zwischen Kleve im Norden und Gemünd im Süden das Département de la Roer ein (Rurdepartement) ein.

Das Department umfasste vormals kurkölnisches, jülicher und preußisches Gebiet mit den freien Reichsstädten Aachen und Köln. Es war nach dem in der Nähe Aachens entspringenden Fluss Roer (Rur) benannt.

Offenbar wurden zu der Zeit zahlreiche Kartenwerke angefertigt. Auf den historische Karten jener Zeit sind entsprechende französischsprachige Eintragungen zu sehen. Zum Beispiel zeigen Karten des Stadtgebiets Geilenkirchen (Trancchot / Müffling) für die Korn- und Ölmühlen im Umfeld die Bezeichnung "Moulin".
Geilenkirchen Département de la Roer

Geilenkirchen um 1800

1816

Geilenkirchen geschichtliches Durch den Wiener Kongress (1814/1815) fiel der größte Teil des Roerdepartements an die preußische Monarchie. Mit Errichtung des Regierungsbezirks Aachen im Königreich Preußen entstanden die Kreise Heinsberg, Geilenkirchen und Erkelenz. Die Landkreise waren zunächst selbständige Kreise, Geilenkirchen wurde Kreisstadt mit einer Kreisverwaltung. Die Ortsteile Geilenkirchen und Hünshoven bildeten die Bürgermeisterei Geilenkirchen. Geilenkirchen hatte keine Stadtrechte, war aber im rheinischen Provinziallandtag als Stadt vertreten.
Geilenkirchen geschichtliches »Der Kreis Geilenkirchen war von 1816 bis 1932 ein Landkreis im Regierungsbezirk Aachen. Mit diesem gehörte er zunächst zur preußischen Provinz Jülich-Kleve-Berg und seit 1822 zur Rheinprovinz. Der Kreis Geilenkirchen wurde 1816 im Wesentlichen aus dem Kanton Geilenkirchen gebildet, der bis 1813 zum Arrondissement Aachen im französischen Département de la Roer gehört hatten. Der Kreis gliederte sich zunächst in 13 Bürgermeistereien, die in der Franzosenzeit als Mairien eingerichtet worden waren.«   [Wikipedia]

1845

»Mit der Einführung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz von 1845 wurden einige Bürgermeistereien des Kreises in mehrere Gemeinden untergliedert. Die Bürgermeisterei Übach wurde 1846 aufgehoben und in die Bürgermeisterei Baesweiler eingegliedert. Ebenso wurde im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts die Bürgermeisterei Puffendorf aufgehoben und in die Bürgermeisterei Immendorf eingegliedert. Im Kreis Geilenkirchen bestanden seit dieser Zeit elf Bürgermeistereien mit insgesamt 19 Gemeinden.«   [Wikipedia]

1932

Geilenkirchen geschichtliches 1932 wurden die Kreise Geilenkirchen und Heinsberg zunächst unter dem Namen "Kreis Geilenkirchen" zusammengefasst. Ein Jahr später erfolgte die Umbenennung in "Kreis Geilenkirchen-Heinsberg". Im Jahr 1951 wurde dieser Kreis in "Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg" umbenannt. Maßgebend dafür war die vorübergehende Unterstellung des Selfkantgebietes unter niederländische Verwaltung in den Jahren 1949 bis 1963.

1972

Geilenkirchen geschichtliches Am 1. Januar 1972 entstand der neue Kreis Heinsberg im Rahmen der kommunalen Neugliederung im Raum Aachen (Aachen-Gesetz), durch Zusammenlegung des Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg mit dem Landkreis Erkelenz (ohne die Gemeinden Baesweiler und Niederkrüchten). Die Verwaltung des Kreises wurde nach Heinsberg verlegt und ein neues Kreishaus gebaut.

1972

Geilenkirchen geschichtliches Die Stadtteile Geilenkirchen und Hünshoven sind über die Jahre "zusammen gewachsen". Heute trennt die im Zentrum unterirdisch verlaufende Wurm die beiden Stadtteile. Man weiß kaum noch, wo das eine anfängt und das andere aufhört. Mit der Wurm als natürliche Grenze befindet sich die Stadtverwaltung demnach in Geilenkirchen und die Kreissparkasse in Hünshoven. Siehe dazu auch: Die Wurm.

Angekommen im 21. Jahrhundert

Ob wir jetzt weiter Geschichte schreiben? Wir werden sehen.
Geilenkirchen geschichtliches Der offenbar lange Zeit gültige Wahlspruch »600 Jahre Stadt Geilenkirchen - und wir schlafen weiter« bröckelt endlich! Die Innenstadt wurde betoniert. Der Aktionskreis arbeitet an einem besseren Image. Wenn nun die ewigen 'Ausbremser' statt Bremsklötze vorzulegen auch noch anschieben würden, wäre das toll. Auch die Verwaltung änderte die vor einigen Jahren noch übliche Haltung ähnlich einer »Nachtwächterfunktion«, die sich auf bloßes Bestimmen und Kontrollieren beschränkte.
Geilenkirchen geschichtliches Der neue Geist hat Einzug gehalten und orientiert sich aktuell an den Schlagworten "Bürgernähe" und "innovatives Vorwärtsdenken". Natürlich dauert es noch, bis man vom "Ohr am Herzen des Bürgers" sprechen kann. Ansonsten folgt der Geilenkirchener dem alten Wahlspruch "Das haben wir immer schon so gemacht". Keine Ahnung, ob das mit Angst vor Neuem oder solidem Denken erklärt werden kann.
Geilenkirchen geschichtliches Touristen und Prominente wurden schon an unseren Ortstafeln abgelichtet. Die einen, weil sie schneller als 50 km/h fuhren, andere wegen des tollen Gags. Obwohl die Stadt und ihr Name durch den NATO-Flugplatz mittlerweile bundesweit bekannt ist, erhalte ich gelegentlich Paketsendungen, auf denen man bei der Empfängeranschrift schamvoll 'Geilenkirchen' in 'Gelsenkirchen' gewandelt hat. Ja, auch Google schaltete bei der Suche nach meiner Webseite im Jahr 2000 den Kinderschutz ein, wenn man "Geilenkirchen" in das Suchfeld eintrug.
Geilenkirchen geschichtliches Nicht nur trink-fröhliche Studenten an der 30 km entfernten Uni Aachen, möglicherweise humanistisch (ver-) gebildet, begeistern sich für den Namen der Stadt und sprechen von "Ecclesia erotica". Es heißt, dass anhand der Wegbeschreibungen nicht wenige Freunde und Bekannte ziemliche Umwege durch das Rheinland in Kauf nehmen müssen, allein, damit der Ort E.E. (alias Geilenkirchen) auch ja nicht verpasst wird.
Geilenkirchen geschichtliches Wir sind ein misstrauisches Völkchen. Geprägt durch die Erfahrungen mit den häufig wechselnden Regenten und den wenigen Fremden, die sich auf Herignsverkäufer (auf der Rückreise von Köln) plus der Pferdehändler beschränkten, begegnen wir Fremden mit Argwohn. Die einen verkauften uns alten Fisch und die Pferdehändler haben wohl häufiger betrogen. Machen Sie den Test und begrüßen sie einen Geilenkirchener mit "Guten Morgen". Er wird ganz unauffällig auf seine Uhr schauen und prüfen, ob das auch stimmt.
Geilenkirchen Wild-West-City Die Ortstafel links ist eine rein fiktive Kreation. Sie sollte sarkastisch auf die Verkehrssituation in der Innenstadt hinweisen, kam aber nie zur Aufstellung. Es scheint, als möchte der Geilenkirchner dem Begriff "Stadt im Westen" gerecht werden und verwechselt "West" mit "Wild-West". Das ist nicht nur meine subjektive Wahrnehmung, schließlich äußern "Auswanderer", nun sesshaft in München, während des Weihnachtsbesuchs zu Hause: "Überall Müll und viele fahren wie die Deppen, ich bin in Geilenkirchen".


Keywords

Geilenkirchen Geschichtliches Namensgebung Furt Wurm Siedlungsgebiet Steinzeit Bodenfunde Römerstraßen Karte Mittelalter Kelten Merowinger Franken Grenzziehung Erzbistum Köln Wasserburg Otto von Geilo Hochmittelalter Franzosen Napoleon Departements Département de la Roer Wiener Kongress Kreis Geilenkirchen Kreis Geilenkirchen-Heinsberg Selfkantgebiet Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg Kreis Heinsberg